… Das weite Land, woher sie kommt / … The Vast Land From Which She Comes

von Isa ROSENBERGER in Zusammenarbeit mit Loulou OMER


© Reinhard Mayr

 
 

Statement

In ihrer künstlerischen Praxis richtet Isa Rosenberger ihren Blick immer wieder auf vergessene (oder verdrängte) Geschichten, um ihnen einen Kontext in der Gegenwart zu eröffnen und damit auch alternative Lesarten von Geschichte zu ermöglichen.

1934 wurde im Wiener Volksheim Ottakring ein choreografisches Stück von Gertrud Kraus mit dem Titel „Die Stadt wartet“ aufgeführt. Es basiert auf dem Märchen „Musik der Großstadt“ von Maxim Gorki. Kraus' Stück spiegelt die Reise eines Jungen durch eine Großstadt und die damit verbundenen Ängste und Faszination für das Leben wider. Isa Rosenbergers Projekt versteht sich als Versuch, dieser Leerstelle und dieser historischen Diskrepanz näher zu kommen.

Für dieses Werk arbeitet Isa Rosenberger mit Loulou Omer zusammen, deren Mutter, Zipora Lerman, Schülerin von Gertrud Kraus in Tel-Aviv war. Die Ausstellung orientiert sich an der Idee der „Bühne“ als performativen Raum, der auch als politischer und gesellschaftlicher Brennpunkt gesehen werden kann. Im Mai 2019 machte Isa Rosenberger eine Fotoserie, die Loulou Omer beim Tanzen, Singen und Klavierspielen zeigt, während sie gleichzeitig auf das reagiert, was sie auf der Theaterbühne des Volksheim Ottakring in Wien spielte, wo einst Kraus stand und ihr Stück vorstellte.

Gertrud Kraus, expressionistische Tänzerin und Choreografin, auch „moderne“ Pädagogin, wurde in Wien geboren. Sie leitete eine Kompanie und eine Schule, zunächst in ihrer Heimatstadt, später in Tel Aviv, nachdem sie 1935 vor dem Naziregime geflohen ist. Zwischen 1950 und 1951 gründete sie das „Israel Ballet Theatre“.

In diesem „Kontext“ ist Omers Auftritt zugleich eine Herausforderung – wie eine Ode an Kraus, an das Vermächtnis und an das Erzählen ihrer persönlichen Geschichte; zu ihrem eigenen Unternehmen der Rekonstruktion und Versöhnung von Identitäten auf neuen Grundlagen; und ihren künstlerischen Ansatz als Widerstandsform und Ausdrucksmöglichkeit.

Das Projekt nutzt den Tanz als einen spezifischen poetischen Raum, in dem sich Kunstformen, Zeiten und Bilder mit neuen und sich überschneidenden Referenzen verflechten. Aus dieser Zusammenarbeit sind ein Video und eine Fotoserie entstanden, die alle Elemente von Rosenbergers Forschung miteinander verbinden.

Die Praxis von Loulou Omer, ähnlich der von Kraus, umfasst viele künstlerische Formen und Ansätze. Ihre Migration erfolgte jedoch von Tel Aviv nach Europa; so brachte sie nicht nur Erinnerungen mit nach Wien, sondern auch die Kenntnis der vielseitigen künstlerischen Ansätze ihrer Mutter. Rosenberger wählte für ihren Auftritt die Bühne Volksheim Ottakring als Einstiegspunkt für Loulou Omers kreatives Schaffen. Es basiert auf Omers Reflexionen über Choreografie, Gesang, Tanz und die Erinnerung an ihre Mutter und die Werke von Kraus. Sie beschreibt eine starke und tiefgründige Frau, die den Komplexitäten und Widersprüchen dieser Künstlerin, ihrer Mutter und sich selbst nachgeht. Mit jeder Handlung, die sie vorführt, jedem Wort, das sie buchstabiert, jeder Note, die sie spielt, und jeder Erinnerung, an die sie sich besinnt, wird die Welt von Omer repräsentiert. Indem Rosenberger auf das Erbe von Kraus mit einer Migrationsreise nach Suche, Antworten und Entfaltung erwidert, lädt sie das Publikum zu dieser Reise ein, indem es in Omers Welt eintaucht. Einmal schrieb Kraus eine Zeile in ihr Skizzenbuch: „Was ist der Einstiegspunkt? . . . Der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt . . .


 

In Zusammenarbeit mit LOULOU OMER

Full HD Video I 21:33 min I Deutsch mit Engl. Untertitel

Choreografie, Tanz, Sprache, Musik: Loulou Omer | Kamera: Reinhard Mayr / AAC | Sound/Ton: Gustavo Petek, Reinhard Mayr | Skript: Isa Rosenberger, Loulou Omer | Bearbeitung: Isa Rosenberger

 

Fotos : © Reinhard Mayr, © Markus Krottendorfer

Suivant
Suivant

QING - von Simon Wachsmuth in Kollaboration mit Loulou Omer